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No AI Strategy. Just Strategy.

Brauchen Unternehmen 2026 eigentlich noch eine KI-Strategie? Die Frage klingt zunächst fast absurd, schließlich beschäftigen sich gerade Unternehmen jeder Größe damit, Strategien für den Einsatz Künstlicher Intelligenz zu entwickeln, Use Cases zu identifizieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und Roadmaps zu schreiben. Und trotzdem lautet unsere Antwort: eigentlich nein. Denn möglicherweise ist schon die Idee einer eigenständigen KI-Strategie ein Denkfehler.

Wir kennen diese Entwicklung aus der Digitalisierung. Vor einigen Jahren entstanden Digitalstrategien, Digitalisierungsbeauftragte, Digitalprojekte und ganze Digitalabteilungen. Das war richtig und notwendig, weil Unternehmen lernen mussten, mit einer neuen Technologie umzugehen. Heute fragt aber niemand mehr, bevor er eine E-Mail verschickt, was eigentlich die Digitalstrategie des Unternehmens dazu sagt. Niemand diskutiert darüber, ob ein Videocall strategisch zur Digitalisierung passt oder ob Excel ein Bestandteil der digitalen Transformation sein darf. Digitale Technologien sind schlicht in den Arbeitsalltag übergegangen. Sie sind kein Sonderthema mehr, sondern Teil der normalen Unternehmensrealität.

Und genau dort muss auch KI hin.

„Wer 2026 eine KI-Strategie entwickelt, die neben der Unternehmensstrategie steht, hat KI eigentlich noch nicht verstanden.“
Oliver Scheu, Geschäftsführer KIWI Group

Die Aussage ist bewusst zugespitzt. Natürlich brauchen Unternehmen im Moment noch Konzepte für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Sie müssen Technologien auswählen, Regeln schaffen, Mitarbeitende qualifizieren, Daten verfügbar machen und erste Anwendungen entwickeln. In vielen Unternehmen braucht es dafür im ersten Schritt sogar sehr bewusst eine KI-Strategie, weil das Thema sonst zwischen Tagesgeschäft, IT, Datenschutz und Einzelinitiativen verloren geht. Aber genau diese Strategie darf nicht zum dauerhaften Paralleluniversum werden.

Das eigentliche Ziel muss sein, dass KI irgendwann genauso selbstverständlich mitgedacht wird wie Digitalisierung heute. Wenn ein Unternehmen beispielsweise entscheidet, seinen Vertrieb in den kommenden drei Jahren deutlich produktiver zu machen, dann darf die nächste Frage nicht lauten: Welche KI-Projekte könnten wir zusätzlich starten? Die richtige Frage lautet vielmehr: Wie muss unser Vertrieb künftig funktionieren, wenn wir schneller, relevanter und effizienter arbeiten wollen?

Dann geht es plötzlich um ganz normale unternehmerische Themen. Wo entstehen heute Reibungsverluste? Wo suchen Mitarbeiter Informationen? Warum werden interessante Leads nicht konsequent weiterverfolgt? Wie viel Zeit geht für Recherche verloren? Wie entstehen Angebote? Welche Kunden werden wann angesprochen? Welche Informationen fehlen dem Vertrieb im entscheidenden Moment? Und erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird betrachtet, welche Rolle Menschen, Prozesse, vorhandene Systeme, Automatisierung und eben auch KI dabei spielen können.

Vielleicht recherchiert künftig ein Agent potenzielle Kunden. Vielleicht bereitet eine KI das nächste Verkaufsgespräch vor, erkennt Veränderungen bei Bestandskunden oder erstellt einen ersten Angebotsentwurf. Vielleicht sorgt sie dafür, dass ein Kontakt nicht drei Wochen unbearbeitet im CRM liegen bleibt. Das alles kann sinnvoll sein. Aber keines dieser Dinge ist für sich genommen ein Unternehmensziel. Das Ziel lautet vielleicht: mehr Umsatz mit weniger Reibungsverlusten, bessere Kundenansprache oder ein Vertrieb, der mit derselben Mannschaft deutlich mehr leisten kann.

KI ist in diesem Moment nicht die Strategie. KI ist ein Werkzeug innerhalb der Strategie.

Genau dieser Perspektivwechsel ist entscheidend, weil viele Unternehmen noch immer mit der falschen Frage beginnen. Sie fragen: „Was können wir mit KI machen?“ oder „Welche Use Cases sollten wir ausprobieren?“ Das ist nachvollziehbar, führt aber schnell dazu, dass Technologie auf der Suche nach einem Problem eingesetzt wird. Viel sinnvoller ist die Frage: Was wollen wir als Unternehmen besser machen? Wollen wir schneller produzieren, Wissen sichern, Fachkräftemangel kompensieren, Kunden besser betreuen, Vertriebschancen früher erkennen oder Verwaltungsaufwand reduzieren? Erst danach sollte geprüft werden, welche Rolle KI spielen kann.

Und manchmal lautet die Antwort sogar: gar keine.

Vielleicht ist der Prozess schlecht organisiert. Vielleicht fehlen Daten. Vielleicht sind Verantwortlichkeiten unklar. Vielleicht kann eine einfache Automatisierung das Problem besser lösen als ein komplexes KI-System. Gerade das ist aus unserer Sicht ein wichtiger Teil einer seriösen KI-Beratung. Nicht möglichst überall KI hineinzubauen, sondern herauszufinden, wo sie tatsächlich einen Unterschied macht.


Eine gute KI-Strategie arbeitet auf ihre eigene Abschaffung hin


Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber wahrscheinlich der wichtigste Gedanke überhaupt. Am Anfang braucht KI besondere Aufmerksamkeit. Es braucht Verantwortliche, Workshops, Regeln, Pilotprojekte und möglicherweise eine eigene Roadmap. Neue Technologien müssen verstanden, eingeordnet und erprobt werden, bevor sie selbstverständlich werden können. Doch irgendwann sollte genau diese Sonderrolle verschwinden.

Dann wird bei einer neuen Vertriebsstrategie automatisch mitgedacht, welche Aufgaben künftig von Menschen, Software oder KI übernommen werden können. Bei Investitionen wird geprüft, welche Daten benötigt werden und welche Prozesse automatisierbar sind. Beim Wissensmanagement wird nicht mehr diskutiert, ob KI grundsätzlich eingesetzt werden darf, sondern wie Unternehmenswissen sinnvoll verfügbar gemacht werden kann. Und bei der Personalplanung wird nicht nur gefragt, wie viele Stellen benötigt werden, sondern auch, wie sich Aufgaben und Rollen durch neue technische Möglichkeiten verändern.

In diesem Moment sprechen wir nicht mehr über eine KI-Transformation. Wir sprechen über Unternehmensentwicklung.

Vielleicht ist deshalb die radikalste KI-Strategie für 2026 die Erkenntnis, dass wir langfristig keine eigene KI-Strategie mehr brauchen. Nicht Unternehmensstrategie plus KI-Strategie, nicht zwei Dokumente, zwei Verantwortlichkeiten und zwei Welten, sondern eine Unternehmensstrategie, in der Künstliche Intelligenz genauso selbstverständlich mitgedacht wird wie Digitalisierung, Software oder Daten heute.

Für uns bei Zeitgeist beginnt genau dort der interessante Teil. Die spannendsten Projekte sind nicht die, bei denen ein Unternehmen sagt: „Wir müssen jetzt auch etwas mit KI machen.“ Spannend wird es dort, wo ein Unternehmen ein echtes Ziel formuliert, einen Prozess verbessern, Wissen sichern, Umsatz steigern oder Kosten reduzieren möchte und bereit ist, die Arbeitsweise dahinter neu zu denken. Dann wird KI vom Thema zum Werkzeug. Und aus einem KI-Projekt kann echte Unternehmensentwicklung werden.

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